Gastbeitrag von meinem Reisebegleiter Fabi Geske

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich, das bestätigte sich während unserer gemeinsamen sechzehntätigen Reise nochmals eindrucksvoll, das große Glück, Jacky und Marie während eines Aufenthaltes im bezaubernden Porto kennenzulernen. Eine vollkommen verregnete Stadtbesichtigung und geschlossene Lokale ließen damals nur ansatzweise Verärgerung aufkommen, die Freude über eine wunderbare Zeit überwog. Und so war es kein Zufall, dass wir anschließend trotz der Entfernung Kassel – Berlin ausgeprägten und stets inspirierenden Kontakt pflegten.

Nachdem ich meine Fernreise-Pläne nach dem Costa Rica Aufenthalt im Mai für dieses Jahr bereits als abgeschlossen betrachtete, brauchte ich weniger als 2 Nächte, um mich nach Jackys Vorschlag für eine gemeinsame Reise nach Singapur und Malaysia zu entscheiden. Eine goldrichtige Entscheidung, soviel kann ich bereits vorwegnehmen.

Anreise nach Singapur am 03./04.09 – erster Tag der Stadtbesichtigung am 05.09.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer noch ausgiebigeren „Zwischenmahlzeit“ zur Stärkung für die bevorstehende Reise wurden Marie, Jacky und ich am Samstag gegen 14.30 Uhr von Jackys Eltern zum Bahnhof Kassel Wilhelmshöhe gefahren, von wo aus es zum Flughafen Frankfurt (Main) ging.

Dort angekommen stellten wir fest, dass wir allesamt gut gepackt hatten. Von unseren insgesamt 90 zur Verfügung stehenden Kg Gepäck brachten unsere drei Rucksäcke lediglich 27 auf die Waage und ließen damit alle Möglichkeiten für eine eventuell einsetzende Kaufwut offen.

Im Laufe der Reise fielen uns dennoch überflüssige Dinge ein, auf welche wir hätten verzichten können. Aus diesem Grund sei an dieser Stelle nochmal ausdrücklich empfohlen, sich auf das absolut Notwendigste zu beschränken. Euer Rücken wird es euch danken. Insbesondere die Temperaturen vor Ort machen das Tragen unsinnigen Gewichts während der Reise auch nicht angenehmer.

Von 20.50 Uhr bis ca. 19.45 Uhr des Folgetages (Ortszeit) flog uns die Sri Lankan Airlines mit einem kurzen Zwischenhalt in Colombo sicher nach Singapur und verwöhnte uns an Bord dreimalig mit warmen Köstlichkeiten. Da ich Maries ausgeprägten Hang zu kulinarischen Gratwanderungen unterstütze, hatte ich ihr im Vorfeld ein Hinduistisches Gericht bestellt. Überraschenderweise konnte sie diesem erstmal nicht so viel abgewinnen.

Vom hypermodernen und riesigen, im Osten der Stadt gelegenen Flughafen Singapur Changi gelangten wir mit der MRT bis zum Nahgebiet unserer Unterkunft. Singapur verfügt über ein gut ausgebautes, funktionierendes und perfekt aufeinander abgestimmtes Stadtbahnnetz (MRT). So erreicht man vom Flughafen zunächst die Interchange Station Tanah Merah, von welcher aus mit der East West Line ein Transfer quer durch die Stadt nach Westen sowie ein Umsteigen in andere Linien möglich ist.

Nachdem wir zwischenzeitlich fälschlicherweise davon ausgingen, bis zur Endstation Joo Koon durchfahren zu müssen, besannen wir uns glücklicherweise doch der besseren Lösung und verließen an der Station Lavender die Bahn. Von dort führte uns ein ca. 1 km langer Fußweg ins in der Tyrwhitt gelegene „Pine Hostel“, in dem wir ein 4-Bett-Familienzimmer gebucht hatten (booking.com).

Die zwei Etagenbetten auf engstem Raum versprühten zwar keinen Hauch von Luxus, bescherten uns nach der langen Anreise allerdings wundervolle Träume und einen guten Start in den nächsten Tag, welcher vom hosteleigenen Frühstück in Form von Toast mit diversen süßen Aufstrichen eingeleitet wurde. Anschließend machte sich die gute Lage unserer Unterkunft bezahlt, denn wir konnten weite Teile unserer Wege zu Fuß zurücklegen. Die vorhandene Nähe sowie die bereits herüberströmenden Düfte führten uns dabei zunächst nach Little India, welches sich nördlich der Straßen Bukit Timah Road bzw. Sungei Road annähernd quadratisch erstreckt.

Sollte eure Unterkunft im Gegensatz zu unserer nicht im fußläufig erreichbaren Nahgebiet liegen, so gelangt ihr sowohl mit der North East als auch mit der Downtown Line die Station Little India, von welcher aus ihr das gleichnamige Viertel entdecken könnt.

Mit der Serangoon Road führt eine Hauptstraße von Süden nach Norden durch Little India. Auf Höhe der Veerasamy Road befindet sich dort der Sri Veeramakallamman Tempel, welcher zweifelsfrei einen kurzen Besuch wert ist. Er wurde 1881 von bengalischen Arbeitskräften zu Ehren der Göttin Kali errichtet, welche im Hinduismus eine bedeutende Göttin des Todes und der Zerstörung, aber auch der Erneuerung ist. Wir haben uns getraut, uns in das gut besuchte Gotteshaus zu begeben und waren sehr beeindruckt von dem Detailreichtum im Innern sowie der Stimmung unter den Gläubigen.

Es lohnt sich abseits der bekannten Serangoon Road, seiner Inspiration, den Farben, Klängen und Düften zu folgen und sich auch durch die engeren Straßen treiben zu lassen. Für Liebhieber der indischen Kultur, Mode und Speisen warten weitere Tempel, unzählige Textilien und ein breites Spektrum an Essensangeboten. Letztere erstrecken sich über herkömmliche Restaurants sowie darüber hinaus sog. Hawker Centres (Anreihung verschiedener Essensstände mit gemeinsamen Sitzmöglichkeiten) und einzelne Stände.

Wir konnten den kulinarischen Rufen für’s Erste widerstehen, nicht jedoch den Warenauslagen in den Textil- und Accessoires-Läden. So griffen Jacky und Marie bei zwei sehr hübschen, typisch indischen Elefanten-Dekoketten zu. Und schwuppsdiwupps waren die mager gefüllten Rucksäcke um einen Gegenstand reicher.

Unsere Entdeckungslust führte uns weiter nach Chinatown, wohin wir ebenfalls zu Fuß gelangten. Lasst euch nicht von der scheinbaren Entfernung auf der Karte irritieren! Sollten eure Füße nicht allzu müde sein, so lohnt sich ein Spaziergang dorthin aufgrund ständig auftauchender, imposanter Gebäude auf jeden Fall (ich bin generell ein Befürworter der Stadtbesichtigung zu Fuß). Zumal man auf dem Weg in das südliche Stadtgebiet die von mehr als 20 Malls gesäumte Orchard Road passiert, die Shoppinginteressierte zum ausgiebigen Geldausgeben einlädt. Wir konnten diesem Frohlocken widerstehen und ließen uns vielmehr von dem nun einsetzenden Hunger leiten, der uns direkt in ein Hawker Centre Chinatowns chauffierte. Letztlich waren uns die Angebote der dortigen Stände aber doch etwas befremdlich und wir wussten lange nicht so recht, wem wir unsere Essenswünsche mitteilen sollten. Eine besorgte Frau, welche zu einem der Stände gehörte, sah uns unsere Irritation an und bat uns erstmal Platz zu nehmen. Nachdem sie vergeblich versucht hatte, den Verantwortlichen eines von uns auserwählten Standes aufzutreiben, wechselten wir schließlich doch in den Außenbereich eines Thai-Restaurants, welches sich in derselben Straße befand.

Unser Essen war gut, aber soweit ich mich erinnere bereits in diesem Fall etwas scharf und leitete somit Tag 1 einer nicht enden wollenden Chili-Tour ein. Ich selbst mag scharfes Essen, geriet aber während der Reise ebenfalls an meine Grenzen. Jacky isst grundsätzlich auch gern (gemäßigt) scharf, musste sich im weiteren Verlauf der Reise ihrem leidenden Körper dann aber geschlagen geben. Grundsätzlich stellte sie auch früh fest, dass Singapur und Malaysia Veganer des Öfteren vor nicht leicht überwindbare Hürden stellen. Fleisch in Hülle und Fülle wurde so ein regelmäßiger Begleiter bei unserer Suche nach Essen, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass die zahlreichen „Chinesen alles essen, was vier Beine hat“ (Zitat meines Reiseführers, dem ich nicht widersprechen möchte). Ansonsten bietet die Küche in Singapur und Malaysia aufgrund der unterschiedlichen religiösen und kulturellen Einflüsse eine riesige Vielfalt. Man sollte sich definitiv nicht auf die ebenfalls vorhandenen, europäisch geprägten Angebote beschränken, sondern je nach Toleranzgrenze und Vorlieben einfach einiges ausprobieren. Für diejenigen, welche Probleme mit der bereits angesprochenden Schärfe haben, empfiehlt es sich beim Bestellen (eindringlich) eine weniger scharfe Variante zu wünschen, was jedoch nicht immer von Erfolg gekrönt wird.

Nach einem ausschweifenden Spaziergang durch das weitestgehend kunterbunte und zum Teil überaus kitschige Chinatown hielt uns ein Henna-Tätowierer gefangen. Jacky und Marie hatten bereits zu Beginn der Reise die Absicht geäußert, sich kunstvoll bemalen lassen zu wollen. Der nette junge Herr mit der überaus einprägsamen Stirn ließ sich nicht zweimal auffordern und machte die Damen mit seiner Kunst einmal mehr zum Blickfang Singapurs. Ich selbst mimte den Starfotografen und hielt beinahe jeden Handgriff des Henna-Experten fest. In irgendeiner Art und Weise muss der Mann Mitleid mit mir gehabt haben (warum?), sodass er mir eine kostenlose Armbemalung anbot. Ich als Kind des Ostens konnte einen solchen Dienst zum Nulltarif natürlich nicht ablehnen und begab mich in die Obhut des Hautmalers. Letztendlich war ich wie Jacky und Marie mit dem Ergebnis sehr zufrieden und so verließen wir den Henna-Stand gutgelaunt in Richtung Hostel.

Auf unserem Weg genossen wir auf der Elgin Bridge, welche von der South Bridge Road über den Singapore River auf die North Bridge Road führt, einen wundervollen und unverbauten Blick auf das Marina Bay Sands Hotel. Die Brücke eignet sich ideal für Fotos mit diesem einzigartigen Hintergrund.

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Im Hostel angekommen, bereiteten wir uns auf das geplante Abendprogramm vor. Nach allem, was wir bis dahin gehört hatten, war ein Betreten der in 191 Metern Höhe befindlichen Bar des gigantischen und atemberaubenden Marina Bay Sands Hotel ausschließlich in angemessener Kleidung gestattet. Also schlüpfte ich in lange Jeans, Hemd und festes Schuhwerk. Meine beiden attraktiven Begleiterinnen fanden ebenfalls ein Outfit, dessen Anblick sicherlich nicht nur mich verzückte.

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Den Weg zum Marina Bay Sands Hotel legten wir mit der MRT zurück. An dieser Stelle möchte ich alle Reisenden, welche an Zugtüren vieler deutscher Straßen-, U- und Stadtbahnen gewöhnt sind, ausdrücklich vor dem Versuch warnen, Türen von Bahnen in Singapur oder Malaysia aufhalten zu wollen. Es wird definitiv nicht funktionieren. Marie hat dies glücklicherweise beherzigt, als sie einige Meter hinter uns am Bahnsteig eintraf und die Türen sich bereits schlossen. So konnte uns sie Jacky und mir zwar nur noch von außen zuwinken, tauchte aber mit der nächsten Bahn am beabsichtigten Umsteigebahnhof wieder wohlbehalten auf.

Letztlich erreichten wir kurz vor 21 Uhr den Bahnhof Marina Bay, sahen uns dort aber noch einem kleinen Fußmarsch ausgesetzt. Für die abendliche Lichtershow an der Waterfront vor dem Marina Bay Sands Hotel empfiehlt sich daher eher die Station Bayfront, die sowohl mit der Downtown als auch mit der Circle Line erreicht werden kann. Die allabendlich 15 Minuten lang abgehaltenen Light and Water Shows finden um 20.00 und 21.30, freitags und samstags zusätzlich um 23.00 Uhr statt.

Ihr solltet rechtzeitig vorher vor Ort sein und euch an den Massen orientieren, um die richtige Position für den Genuss der Show zu finden. Wir saßen zunächst etwas abseits, weil uns der Platz entspannt erschien und verpassten damit den Beginn der Darbietung. Nichtsdestotrotz übertrafen nach dem Wechsel des Ortes die folgenden Minuten alle Erwartungen und sorgten zumindest bei mir teilweise für Gänsehaut. Solltet ihr Singapur bereisen, dann lasst euch diese Show bitte nicht entgehen. Sie ist eine perfekt abgestimmte Sinfonie aus Licht, Wasser, Musik und Effekten und wird euch ewig in Erinnerung bleiben. Ich kann mir kaum Schöneres vorstellen, als diese Show gemeinsam mit Freunden oder Partnern / Partnerinnen zu genießen. Das seit 2011 bestehende Programm soll seitdem bereits mehr als 4,2 Millionen Menschen angelockt haben.

Eine skurrile Begegnung der besonderen Art wird mir allerdings ebenso wie die Show nicht aus dem Kopf gehen. Als wir von unserem ursprünglichen Platz zum richtigen hetzten, kam uns eine riesige Menschengruppe entgegen, es waren definitiv mehr als hundert Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts. Ihnen allen gemein war der starre, hochkonzentrierte Blick auf das Smartphone-Display, sodass ein ernsthafter Sturz förmlich in der Luft lag. Doch scheinbar waren die Menschen geübt in dem, was sie taten. Wie ein Fischer, der allmorgendlich routiniert und auf das Wesentliche fixiert sein Netz nach den Schuppentieren auswirft, begaben sich die Leute auf die scheinbar zur Tagesordnung gehörenden Jagd nach Pokemons. Ja, ihr habt richtig gelesen. Während im unmittelbaren Nahbereich und für jedermann sicht- und hörbar eine spektakuläre Show lief, hatten diese Menschen nichts Besseres zu tun, als nach irgendwelchen virtuellen Wesen zu suchen und sich dabei fast den Hals zu brechen. Ich lasse einfach mal stehen und widme mich wieder den wirklich wichtigen Dingen unseres wundervoll verbrachten Abends.

Wir betraten direkt nach der Show das Marina Bay Sands Hotel, in dessen unteren Stockwerken sich eine Shoppinglandschaft der ganz besonders gehobenen Art befindet. Über entsprechendes Budget verfügende Mitbürger finden hier schier unendliche Möglichkeiten, ihr Geld unter die Händler zu bringen. Speziell wer nach luxuriöser Kinderkleidung Ausschau hält, wird hier bei den namhaften Modeschöpfern und ihren Läden fündig werden.

So hochpreisig das Warenangebot, so bodenständig die Speisen im Untergeschoss. Wie in jeder Mal Singapurs und Malaysias fanden sich hier vielfältige Stände mit unterschiedlichen kulinarischen Angeboten. Ich selbst stellte mir an diesem Abend aus verschiedenen, mir zunächst nicht vollständig bekannten Zutaten eine Suppe zusammen, welche sich als Glücksgriff heraustellte.

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Nach unserem Essen begaben wir uns dann aufgeregt zum Eingangsbereich des Hotels, wo sich der Zugang zum tagsüber (Mo – Do bis 22 Uhr, Fr – So bis 23 Uhr) geöffenten Skypark sowie zur Bar „Ce la Vi“ befindet.

Der Zugang zum Skypark kostet 23 S$, kam für uns an diesem Abend nicht nur wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit aber nicht in Betracht. Wenn man sich schon einmal ordentlich herausgeputz hat, dann möchte man auch in die edle Bar. Da wir unsicher waren, wie genau wir vorzugehen hatten, taten wir es den wenigen weiteren Menschen in diesem Bereich gleich und stellten uns einfach mal abwartend hin. Schnell wurden wir von einem adrett mit Anzug gekleideten Herrn angesprochen und gefragt, ob wir einen Drink nehmen möchten. Natürlich wollten wir das und diese Antwort ist auch dringend zu empfehlen, selbst wenn ihr euch einfach nur in die Bar „schmuggeln“ wollt, ohne dort etwas zu trinken. Die Augen eines zweiten Herrn scannten uns ab und blieben verhältnismäßig lange an meinen Schuhen hängen, die zwar fest, aber eben doch nur Turnschuhe waren. Seine Entscheidung, uns hinauf zur Bar zu lassen, beeinflusste dies nicht mehr. Er winkte uns durch, wünchte viel Spaß und verwies darauf, dass in einem Teil der Bar an diesem Abend eine private Veranstaltung stattfand.

Wir rasten mit dem Luft in die 57 Etage, wo wir nun nur noch vom Flur in den Außenbereich gelangen mussten. Der Anblick, der sich hierbei bot, war schlichtweg atemberaubend und unbezahlbar. Die Stadt lag uns zu Füßen, die Musik des Djs fügte sich ein in ein wohlkomponiertes Ambiente, welches die Betreiber der Bar für ihre Gäste auserkoren hatten. Es ist eigentlich nicht möglich, diese Kulisse mit den richtigen Worten zu beschrieben und sie angemessen zu würdigen. Deshalb empfehle ich auch an dieser Stelle jedem einen eigenen Besuch.

Cocktails gab es übrigens auch zu dem Vergnügen. Über die Preise sollte man sich in den Momenten des Genusses keine allzu großen Gedanken machen. Man zahlt für einen Cocktail am Ende etwa genauso viel wie für den Eintritt in den Skypark. Von der Bar aus erhascht man übrigens auch einen Blick auf einen der spektakulärsten Infinity Pools unseres Planeten, dessen Besuch allerdings Hotelgästen vorbehalten ist. Da heißt es ordentlich sparen oder einen reichen Partner bzw. eine reiche Partnerin suchen! Mit den Gedanken an einen sensationellen Tag verabschiedeten wir uns in unser Hostel, wo wir aufgrund der Nachtzeit allerdings mit dem Taxi hingelangen mussten. (Öfnungszeiten der MRT tgl. 05.30-00.30 Uhr).

Am nächsten Morgen wachten wir erst spät auf, denn wir hatten bewusst darauf verzichtet, uns für diesen Tag einen Wecker zu stellen. Aufgrund der Erlebnisse des Vortages sahen wir uns nicht gezwungen, bereits wieder früh ein ähnliches Pensum hinzulegen. Deshalb spazierten wir ausgeruht nach Little India, wo wir am Vortag bereits ein Hawker Centre zum Mittagessen auserkoren hatten. Auf dem Weg dorthin passierten wir den Sri Srinivasa Perumal Tempel, ein etwas kleineres, hinduistisches Gotteshaus in der Serangoon Road auf Höhe der Petain Road.

Vor diesem entstand ein schönes Foto, als ich Jacky und Marie beim gleichzeitigen Fotografieren des Tempels einfangen konnte. Darartige Situationen entwickelten sich im Laufe der Reise im Übrigen zu meinen Lieblingsmotiven. Menschen dabei zu beobachten, wie sie sich voll und ganz auf einen Punkt ihrer Umgebung fokussieren, hat etwas Interessantes. In dem hier beschriebenen Fall wurden die auf der Straße vorbeifahrenden Autos zu einem unwichtigen Nebenschauplatz, welcher erfolglos versuchte, sich zwischen Jacky, Marie und den Tempel zu drängen.

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Angekommen im Hawker Centre, sah es auch hier auf allen Tellern der zumeist einheimischen Gäste wieder sehr fleischbetont aus. Ganz nach dem Motto: „Wenn wir Tiere nicht essen sollten, warum sind sie dann aus Fleisch gemacht?“ Den unzähligen, entspannt kauenden und cool dreinblickenden Männern sah man ihre Zufriedenheit mit den von den wohlgenährt aussehenden Frauen aufgetischten Gerichten eindeutig an. Sie ließen sich auch nicht von den fröhlich summenden Fliegen rund um die Tische aus ihrem Konzept bringen. Wir selbst beobachteten die Szenerie und sahen uns wie bereits am Vortag etwas verunsichert an. Was nehmen wir nur? Letztlich verständigten wir uns darauf, drei Mal ein vegetarisches Menü zu bestellen. So landeten jeweils ein Roti Prata (Fladenbrot aus Mehl, Wasser, fett und Eiern), eine Portion Reis, frittierter Blumenkohl, Gemüse in einer milden Sauce sowie zwei scharfe Saucen auf unseren Tabletts.

Ach ja, die scharfen Saucen. Von den Damen weitestgehend ignoriert, brachten sie mich bei ohnehin schon sommerlich molligen Temperaturen zum nicht enden wollenden Transpirieren. Der Schweiß lief in Sturzbächen von meiner Stirn am ganzen Körper herunter und bewässerte vermutlich das Erdreich derart, dass man sich nun Sorgen um die Statik von Little India machen muss. Aber natürlich, es schmeckte mir trotzdem, wie ich mir selbst und den Mädels zumindest einredete. Und dies alles war auch überhaupt kein Problem, da man 20 Meter entfernt aus beliebigen, gut gekühlten Erfrischungsgetränken wählen konnte.

Nach dem Essen liefen wir zu Fuß in Richtung Bugis Village, einem belebten Quartier rund um die MRT-Station Bugis, welches südlich der Rochor Road mit buntem Markttreiben (Bugis Street Shops) aufwartet. Wir gönnten uns dort ein paar kühle Getränken, ließen die überwiegend billig wirkenden Artikel aller Art aber links liegen. Es war uns wichtiger, die Zeit für einen Abstecher in das arabische Viertel rund um die Arab Street, nur wenige Gehminuten von Bugis entfernt, zu nutzen. Hier findet man zwei Moscheen sowie ebenso ein sehr vielfältiges Angebot an Imbissen und Restaurants. Ansonsten beeindruckte das wiederum vollkommen andere Ambiente, was sich insbesondere in der Architektur und den auf den Straßen aufhältigen Menschen und deren Kleidung widerspiegelte.

Für den weiteren Nachmittag hatten wir uns den Besuch der Gardens by the Bay vorgenommen, welche erst 2012 eröffnet worden waren und deren Bau rund eine Milliarde Euro gekostet hatte.

Wir wählten auch diesmal unglücklicherwiese die falsche MRT-Station zum Aussteigen und mussten daher vom Marina South Pier aus noch eine nicht unerhebliche Strecke zu Fuß zurücklegen. Der Weg war allerdings gar nicht uninteressant. Sollte ich ihn in 5 Jahren nochmals wählen, werde ich sicher einige neue Gebäude vorfinden, da die Strecke von Baustellen gesäumt war. Ich lernte auch den Unterschied zur deutschen Verkehrslenkung kennen. Während sich in meiner Heimatstadt Berlin Polizisten aus Fleisch und Blut die Arme und Hände müde heben und senken, übernehmen dies in Singapur täuschend echt aussehende und nicht unsympathisch dreinblickende Kunststoffpuppen. Vermutlich wäre eine solche Aufgabe einem Menschen bei den zumeist in der prallen Sonne herrschenden Temperaturen auch nicht länger als eine Stunde zumutbar. Dareüber hinaus genießen Puppen aller Wahrscheinlichkeit nach auch keinen Anspruch auf üppige Pensionen.

Als wir schließlich über einen Hintereingang das Gelände der Gardens by the Bay betraten, erblickten wir schnell einige der insgesamt 18 Riesenbäume, welche zwischen 25 und 50 Meter in die Höhe ragen.

Man könnte schnell die Tatsache kritisieren, dass es sich um bloße Stahlkonstruktionen handelt, doch das wäre der sowohl liebevollen als auch ausgeklügelten Gestaltung der Bäume nicht angemessen. Sie bilden einen wunderschönen Kontrast zu dem restlichen, von Hochhäusern gekennzeichneten Singapur, spenden angenehmen Schatten, bieten mit zwischeneinander bestehenden Brückenverbindungen einen herrlichen Ausblick und sind an ihren Stämmen mit mehr als 200 Pflanzenarten bewachsen.

Darüber hinaus laden sie allabendlich zu sehenswerten Lichtspektakeln, auf die ich aber später näher eingehen werde. Erwähnung finden sollte nämlich zuallererst unser ausgiebiges Fotoshooting inmitten dieser grandiosen Kulisse. Fabelhaft anmutende Baumkonstruktionen und im Hintergund das futuristisch grüßende Marina Bay Sands Hotel lieferten motivierten uns zu zahlreichen Schnappschüssen.

Bei so einem traumhaften Ambiente möchte man natürlich im rechten Licht und vor allem makellos erscheinen – dachten sich zumindest Jacky und Marie. Und so erging es mir beinahe wie dem künstlichen Verkehrsmännchen. Meine Arme mussten in der Hitzehölle Singapur Höchtleistungen abrufen, um die Kamera von einer Position in die andere zu bewegen und die Kurven der beiden grazilen Schönheiten einzufangen. „Zu hoch, zu tief, zu weit weg, zu nah dran“ waren gängige Kritiken in meine Richtung. „Meine Haare, mein Hals, meine Nase“ richteten sich eher an selbst wahrgenommene Spiegelbild. Und so dauerte es eine ganze Weile, bis wir unseren Spaziergang fortsetzen. Aber ich gebe zu, dieses kleine Schauspiel bereitete mir durchaus Freude und es führte obendrein zu einem annähernd professionellen Video der Mädels in Laufsteg-Manier.

 

Besonders für Kinder bieten die weitläufigen, insgesamt 101 ha messenden Gärten vielfältige Möglichkeiten sich auszutoben, insbesondere durch den eigenen Children’s Garden mit Wasserpark. Und bevor ich es vergesse: der Eintritt in die Gardens by the Bay ist (ohne die Nutzung spezieller Highlights) gänzlich kostenfrei.

Wir verließen die Gärten nach dieser ersten und eindrucksvollen Besichtigung allerdings, um noch bei Tageslicht zum Wahrzeichen Singapurs, nämlich der Merlion Statur zu gelangen.

Diese befindet im gleichnamigen Park auf der den Gardens by the Bay gegenüberliegenden Seite der Bucht, schräg gegenüber dem Marina Bay Sands Hotel. In der fußläufigen Nähe befindet sich die MRT-Station Raffles Place, zu der wir aufgrund bereits müde gewordener Füße auch fuhren. Ein paar Meter waren trotzdem noch zu gehen, die uns allerdings unter anderem in den Genuss brachten, das legendäre, 1928 im Stile des Neoklassizismus erbaute Fullerton Hotel aus direkter Nähe zu betrachten, welches zu früheren Zeiten auf unterschiedliche Art und Weise, u.a. als Hauptpostamt Singapurs genutzt worden war. Lediglich massive Bevölkerungsproteste verschonten das altehrwürdige Kolonialgebäude einst vor einem Abriss. Im Zuge der Totalsanierung der Stadt passte es mit seiner vergleichsweisen niedrigen Höhe und dem wenig modern anmutenden Erscheinungsbild nicht in das Konzept der Stadtplaner.

Die Merlion Satur, eine 8 Meter hohe Mischung aus Fisch und Löwe, verkörpert hingegen als Sagengestalt offiziell anerkannt das alte, traditionelle Singapur. Der Löwenkopf symbolisiert hierbei Stärke, der Fichkörper die Verbundenheit mit dem Meer.

Das Wahrzeichen war am Nachmittag unseres Besuches ziemlich von Touristen belagert, von denen aber merkwürdigerweise nur wenige versuchten, das „typische“ Foto zu kreieren, auf welchem man selbst mit dem Mund den Wasserstrahl der Merlion Statur auffängt. Als ich mich mit weit geöffnetem Mund vor Jackys Kamera postierte, stellte ich mir, es würde mir jemand m&m’s zuwerfen. Ich bin der festen Überzeugung, dieser Gedanke hat zum Gelingen des Fotos beigetragen. Daher empfehle ich jedem, ob Mann oder Frau, sich ein entsprechendes Szenario auszudenken. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Nach unserer Merlion-Tour legten wir eine Kehrtwende hin und erreichten kurze Zeit später erneut das Gelände der Gardens by the Bay, auf dem sich zwei riesige Gewächshäuser befinden, welche in ihrer Form jeweils einem umgedrehten Nudelsieb ähneln. Bei einem der Häuser handelt es sich um den Flower Dome, bei dem anderen um den Cloud Forest. Die Besuche beider Atrraktionen kostet Eintritt, wobei jeweils Einzel- als auch ein Kombiticket angeboten werden. Wir entschieden uns letztlich dafür, uns lediglich den Cloud Forest anzusehen, was pro Person 16 Singapur-Dollar kostete.

Ich nehme an dieser Stelle mal vorweg, dass mich persönlich der Besuch weniger begeisterte. Vielleicht war ich durch die bisherigen Eindrücke verwöhnt, doch lösten die vielen, auf engem Raum gepflanzten tropischen Pflanzen in mir lediglich geringe Glücksgefühle aus. Ich würde nicht von einer schlechten Umsetzung sprechen, aber ich genieße solche Dinge vielleicht einfach lieber in der freien Natur. Auch der künstlich angelegte Wasserfall konnte das Gesamtbild nicht retten. Es sollte aber erwähnt werden, dass es den Planern wichtig war, die Besucher über Hintergründe von Abläufen in unserer Natur zu informieren, was ich definitiv lobenswert finde. So wurden beispielsweise kurze Animationen über den Kreislauf des Wassers oder aber Videos zu jährlichen Emissionen und Verbrauchswerten gezeigt. Dies soll und kann letztlich zu einem bewussteren Umgang mit unserer Umwelt führen.

Während wir durch den Cloud Forest spazierten, kündigte sich draußen die um 19.45 Uhr beginnende erste von zwei abendlichen Light & Sound Shows, bei denen die künstlichen Super Trees tagtäglich beleuchtet werden. Wir hatten für uns auf jeden Fall die zweite Vorstellung eine Stunde später fest eingeplant, lagen aber auch für die erste nicht schlecht in der Zeit.

Im Cloud Forest war es sehr kalt, sodass das Verlassen merklich schockte. In Sekundenbruchteilen schien sich die Umgebung um gefühlte 20 Grad erwärmt zu haben. Als wir uns akklimatisiert hatten, hatte die erste Vorstellung der Show bereits begonnen.

Licht in wechselnden Farben umhüllte die Bäume und die Nacht und wiederum sorgfältig darauf abgestimmte musikalische Klänge zogen uns in ihren Bann.

Wir schauten auf zu den Bäumen, welche nun beleuchtet um Dunkeln der Nacht noch gigantischer erschienen. Es breitete sich wie bereits am Vorabend ein wohliges Gefühl aus, welches man möglichst vielen Menschen nachempfindbar vermitteln möchte. Doch auch mit unseren unzählig erstellten Fotos und Videos wird das kaum möglich sein. Es bleibt auch hier wieder keine andere Alternative als ein persönlicher Besuch. Ich verspreche jedem absolute Begeisterung.

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Die gewonnenen Eindrücke sowie die zurückgelegten Tageskilometer erforderten nun eine zünftige Stärkung. Zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes befand sich auf dem Gelände gerade ein Street Food Market mit internationalen, hauptsächlich westlichen Spezialitäten. Und so gab es an diesem Abend für uns drei zur Abwechslung mal ordentlich fettige Pommes. Ich gönnte mir dazu sogar eine Dose Tiger Beer, welche mir von einem begeisterten Verkäufer übereicht wurde. Offenbar hatte er an diesem Abend noch nicht allzu viele Biere umgesetzt.

Um 20.45 Uhr war es dann erneut soweit. Wundersame Klänge leuteten die zweiten Runde der Show ein. Wir wollten uns auch diese nochmals, allerdings aus einer anderen Position, ansehen. So begaben wir uns hastig auf die Brücke, welche vom Marina Bay Sands Hoteln zu den Gardens führt und eine Art Aussichtsplattform bietet. Der Blickwinkel war von hier aus nochmal ein vollkommen anderer. Wir schauten nicht auf, sondern nahmen die Bäume als weiter entfernte, kleinere Gebilde wahr. Die Gesamtheit aller Bäume entwickelte jedoch ein Zusammenspiel, welches ebenfalls unvergessen bleiben wird.

Nach der Choreographie von Licht und Musik fuhren wir in unser Hostel, wo nun noch die Buchung eines Busses nach und einer Unterkunft in Kuala Lumpur anstand. Ich kann für das Buchen von Bustickets die Plattform www.malaysiabus.com empfehlen, welche auf alle verschiedene Busanbieter zugreift. Die Fahrt von Singapur nach Kuala Lumpur kostete in unserem Fall für uns 3 insgesamt 60 S$, was in etwa 42 Euro entspricht.

Abfahrt war am nächsten Morgen um 09.00 Uhr von einem nahegelegenen Hotel. Hier empfiehlt es sich, die zum Teil stark unterschiedlichen Abfahrtorte genaustens zu prüfen und davon unter Umständen die Wahl seines Busunternehmens abhängig zu machen. Denn aus meiner Sicht ist nichts ärgerlicher, als am frühen Morgen durch die halbe Stadt hetzen zu müssen, um die Abfahrt des Busses pünktlich zu schaffen.